LOESUNGSFOKUSSIERTE THERAPIE (SFT)
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Stand: 2026-01-25
Portabilitaet: UNIVERSAL

WAS IST LOESUNGSFOKUSSIERTE THERAPIE?
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Die Loesungsfokussierte Kurztherapie (Solution-Focused Brief Therapy,
SFBT/SFT) ist ein ressourcen- und zukunftsorientierter Therapieansatz,
der in den 1980er Jahren von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg am
Brief Family Therapy Center in Milwaukee entwickelt wurde.

Kernidee: Statt Probleme zu analysieren, fokussiert die Therapie auf
Loesungen, Ausnahmen und erwuenschte Zukunft. "Problemtalk creates
problems - Solutiontalk creates solutions" (de Shazer).

GRUENDER UND GESCHICHTE
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  Steve de Shazer (1940-2005)
  - Sozialarbeiter und Familientherapeut
  - Beeinflusst von Milton Erickson und MRI Palo Alto
  - Entwickelte die Wunderfrage und Skalierungsfragen

  Insoo Kim Berg (1934-2007)
  - Koreanisch-amerikanische Sozialarbeiterin
  - Mitbegruenderin des BFTC Milwaukee
  - Anwendung in Suchttherapie und Kinderschutz

  Entwicklung:
  - 1978: Gruendung Brief Family Therapy Center
  - 1982: Erste Veroeffentilichungen zu SFT
  - 1988: "Clues: Investigating Solutions" (de Shazer)
  - 1994: "More Than Miracles" (de Shazer & Berg)

GRUNDANNAHMEN
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1. Kein Problem besteht die ganze Zeit
   - Es gibt IMMER Ausnahmen
   - Ausnahmen enthalten Loesungshinweise

2. Kleine Veraenderungen fuehren zu grossen
   - Schneeballeffekt positiver Veraenderung
   - "Ripple effect" in Systemen

3. Der Klient ist Experte fuer sein Leben
   - Therapeut ist Experte fuer hilfreiche Fragen
   - Zusammenarbeit statt Hierarchie

4. Die Loesung muss nichts mit dem Problem zu tun haben
   - Problemanalyse ist nicht noetig
   - Loesungen koennen von woanders kommen

5. Sprache schafft Wirklichkeit
   - Gespraechsfokus bestimmt Erleben
   - Positive Sprache foerdert positive Veraenderung

ZENTRALE TECHNIKEN
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1. DIE WUNDERFRAGE
   "Angenommen, heute Nacht, waehrend Sie schlafen, geschieht
   ein Wunder und das Problem, das Sie hierher gefuehrt hat,
   ist geloest. Wie wuerden Sie das morgen frueh bemerken?
   Was waere anders?"

   Zweck:
   - Konkrete Zukunftsvision entwickeln
   - Zielbild schaerfen
   - Motivation staerken

2. SKALIERUNGSFRAGEN
   "Auf einer Skala von 0 bis 10, wobei 10 bedeutet, das Problem
   ist vollstaendig geloest und 0 ist der schlimmste Moment -
   wo stehen Sie heute?"

   Anschlussfragen:
   - "Was muesste passieren, um einen Punkt hoeher zu kommen?"
   - "Wie haben Sie es geschafft, nicht tiefer zu fallen?"
   - "Woran wuerden andere merken, dass Sie bei 6 sind?"

3. AUSNAHMEFRAGEN
   "Gab es in letzter Zeit Momente, wo das Problem weniger
   schlimm oder gar nicht da war? Was war da anders?"

   Zweck:
   - Vorhandene Loesungen entdecken
   - Kompetenz sichtbar machen
   - "Mehr davon" statt "weniger davon"

4. BEWAELTIGUNGSFRAGEN (Coping Questions)
   "Wie haben Sie es geschafft, trotz dieser schweren Zeit
   heute hierherzukommen?"

   Zweck:
   - Resilienz staerken
   - Versteckte Ressourcen aufdecken
   - Bei sehr belasteten Klienten

5. KOMPLIMENTE
   - Spezifisches Loben von Staerken und Erfolgen
   - Keine Floskeln, sondern ehrliche Anerkennung
   - "Ich bin beeindruckt, wie Sie das gemeistert haben."

THERAPIESTRUKTUR
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Typischer Sitzungsaufbau:

  1. Begruessungsphase (5 min)
     - "Was ist seit letztem Mal besser geworden?"
     - Positive Veraenderungen erfragen

  2. Zielklaerung (10 min)
     - Was soll heute erreicht werden?
     - Wunderfrage oder Zielvision

  3. Loesung explorieren (20-30 min)
     - Ausnahmen suchen
     - Skalierungsfragen
     - Ressourcen sammeln

  4. Denkpause (5 min)
     - Therapeut zieht sich zurueck
     - Reflektiert und formuliert Feedback

  5. Feedback und Aufgabe (5 min)
     - Kompliment an den Klienten
     - Ggf. Beobachtungs- oder Verhaltensaufgabe
     - "Achten Sie auf Momente, wo es besser laeuft."

ABGRENZUNG ZU ANDEREN VERFAHREN
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  Psychoanalyse / Tiefenpsychologie:
  - SFT: Zukunft und Loesung
  - Analyse: Vergangenheit und Ursache

  Verhaltenstherapie:
  - SFT: Minimale Intervention, Klient findet Loesung
  - VT: Strukturierte Techniken, Therapeut leitet an

  Klientenzentrierte Therapie (Rogers):
  - Gemeinsamkeit: Klient als Experte, Ressourcenorientierung
  - Unterschied: SFT ist direktiver, fragt aktiv nach Loesungen

  Systemische Therapie:
  - SFT gehoert zur systemischen "Familie"
  - Fokus auf Interaktion und Sprache

INDIKATIONEN
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Besonders geeignet bei:
  - Konkreten Problemen mit klarem Ziel
  - Zeitlich begrenzter Intervention
  - Motivierten Klienten
  - Beruflichem Coaching
  - Paarberatung
  - Kinder- und Jugendlichentherapie
  - Suchtberatung (motivierende Phase)

Weniger geeignet bei:
  - Schweren Traumata (allein nicht ausreichend)
  - Komplexen Persoenlichkeitsstoerungen
  - Klienten, die Analyse/Verstaendnis benoetigen
  - Akuten Krisen ohne Loeungsperspektive

EVIDENZ
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  - Gut belegt bei konkreten Problemstellungen
  - Effektiv in Kurzinterventionen (3-8 Sitzungen)
  - Besonders wirksam bei externalisierten Problemen
  - Meta-Analysen zeigen moderate Effektstaerken
  - Verbreitet in Sozialarbeit, Schule, Beratung

ANWENDUNG IN BACH (PSYCHO-BERATER AGENT)
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SFT-Prinzipien fuer den Psycho-Berater:

  1. Loesungsfokus in Fragen:
     - "Was wuerde helfen?" statt "Was ist das Problem?"
     - Nach Ausnahmen fragen
     - Kleine Schritte identifizieren

  2. Skalierungsfragen nutzen:
     - "Auf einer Skala von 1-10, wie belastend ist das?"
     - "Was wuerde einen Punkt Verbesserung bringen?"

  3. Ressourcen betonen:
     - Staerken und Erfolge benennen
     - Bewaeltigungsstrategien wuerdigen
     - Selbstwirksamkeit staerken

  4. Zukunftsorientierung:
     - Erwuenschten Zustand beschreiben lassen
     - Konkrete naechste Schritte
     - Optimistischer, aber realistischer Ton

SIEHE AUCH
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  wiki/psychotherapie/gespraechstherapie.txt
  wiki/psychotherapie/systemische_therapie.txt
  wiki/methoden/coaching.txt
  agents/psycho-berater.txt

LITERATUR (AUSWAHL)
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  de Shazer, S. (1988). Clues: Investigating Solutions.
  de Shazer, S. (1994). Words Were Originally Magic.
  Berg, I.K. (1994). Family-Based Services.
  Bamberger, G. (2015). Loesungsorientierte Beratung. Beltz.
