# Portabilitaet: UNIVERSAL
# Zuletzt validiert: 2026-02-05 (Claude/BACH wiki-author)
# Naechste Pruefung: 2027-02-05
# Quellen: StGB, StPO, BGH-Rechtsprechung, Strafrechtsliteratur

STRAFRECHT (StGB)
=================

Stand: 2026-02-05

DEFINITION
==========
  Das Strafrecht regelt, welche Verhaltensweisen unter Strafe
  stehen und welche Rechtsfolgen bei Verwirklichung eines
  Straftatbestands eintreten.

  Rechtsquellen:
    - Strafgesetzbuch (StGB)
    - Strafprozessordnung (StPO)
    - Nebenstrafrecht (BtMG, WaffG, StVG, etc.)

  Grundprinzipien:
    - "Nulla poena sine lege" (keine Strafe ohne Gesetz)
    - Schuldprinzip
    - Verhaeltnismaessigkeit
    - "In dubio pro reo" (im Zweifel fuer den Angeklagten)

ALLGEMEINER TEIL (StGB AT)
==========================

  DELIKTSAUFBAU (VORSATZDELIKT)
  -----------------------------
    Das klassische dreigliedrige Pruefungsschema:

    I. TATBESTANDSMAESSIGKEIT

       Objektiver Tatbestand:
         - Taeter, Tatobjekt, Taterfolg
         - Tathandlung
         - Kausalitaet (Aequivalenztheorie: conditio sine qua non)
         - Objektive Zurechnung

       Subjektiver Tatbestand:
         - Vorsatz (Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung)
         - Ggf. besondere subjektive Merkmale (Absichten)

    II. RECHTSWIDRIGKEIT

        Indiziert durch Tatbestandsmaessigkeit.

        Rechtfertigungsgruende:
          - Notwehr (Paragraph 32 StGB)
          - Rechtfertigender Notstand (Paragraph 34 StGB)
          - Einwilligung
          - Erlaubte Selbsthilfe
          - Festnahmerecht (Paragraph 127 StPO)

    III. SCHULD

         Schuldausschliessungsgruende:
           - Schuldunfaehigkeit (Paragraph 20 StGB)
           - Entschuldigender Notstand (Paragraph 35 StGB)
           - Notwehrexzess (Paragraph 33 StGB)
           - Verbotsirrtum (Paragraph 17 StGB)

  VORSATZFORMEN
  -------------
    1. Absicht (dolus directus 1. Grades)
       - Es kommt dem Taeter gerade auf den Erfolg an
       - Beispiel: Auftragsmord

    2. Direkter Vorsatz (dolus directus 2. Grades)
       - Taeter weiss, dass Erfolg sicher eintreten wird
       - Erfolg muss nicht Handlungsziel sein
       - Beispiel: Bombenleger weiss, dass Passanten sterben werden

    3. Eventualvorsatz (dolus eventualis)
       - Taeter haelt Erfolgseintritt fuer moeglich
       - Nimmt ihn billigend in Kauf
       - Abgrenzung zur bewussten Fahrlaessigkeit!

    Praxisbeispiel zur Abgrenzung:
      Raser im Strassenverkehr: Eventualvorsatz bzgl. Toetung,
      wenn er den Tod von Passanten billigend in Kauf nimmt.
      Sonst nur fahrlaessige Toetung.

  FAHRLAESSIGKEIT
  ---------------
    Tatbestandsaufbau (anders als Vorsatzdelikt!):

      I. Tatbestand
         - Objektive Sorgfaltspflichtverletzung
         - Vorhersehbarkeit des Erfolgs
         - Pflichtwidrigkeitszusammenhang

      II. Rechtswidrigkeit

      III. Schuld
           - Subjektive Sorgfaltspflichtverletzung
           - Individuelle Vorhersehbarkeit

    Arten:
      - Bewusste Fahrlaessigkeit (Gefahr erkannt, aber auf
        Ausbleiben des Erfolgs vertraut)
      - Unbewusste Fahrlaessigkeit (Gefahr nicht erkannt)

  VERSUCH (Paragraphen 22-24 StGB)
  --------------------------------
    Voraussetzungen:
      1. Nichtvollendung der Tat
      2. Tatentschluss
      3. Unmittelbares Ansetzen zur Tatbestandsverwirklichung

    Strafbarkeit:
      - Verbrechen: Versuch immer strafbar
      - Vergehen: Nur wenn ausdruecklich angeordnet

    Ruecktritt (Paragraph 24 StGB):
      - Beim unbeendeten Versuch: Aufgabe der Tatausfuehrung
      - Beim beendeten Versuch: Verhinderung der Vollendung
      - Rechtsfolge: Straflosigkeit!

    Praxisbeispiel:
      A will B erschlagen, holt aus, laesst aber los.
      = Unbeendeter Versuch mit strafbefreiendem Ruecktritt.

  TAETERSCHAFT UND TEILNAHME
  --------------------------
    Taeterschaft:
      - Alleintaeterschaft (Paragraph 25 Abs. 1 Alt. 1 StGB)
      - Mittelbare Taeterschaft (Paragraph 25 Abs. 1 Alt. 2 StGB)
      - Mittaeterschaft (Paragraph 25 Abs. 2 StGB)

    Teilnahme (Akzessorietaet!):
      - Anstiftung (Paragraph 26 StGB): Bestimmen zur Tat
      - Beihilfe (Paragraph 27 StGB): Hilfeleistung

    Abgrenzung Mittaeterschaft/Beihilfe:
      - Tatherrschaft vs. untergeordnete Rolle
      - Eigenes Tatinteresse
      - Bedeutung des Tatbeitrags

  UNTERLASSUNGSDELIKTE
  --------------------
    Echte Unterlassungsdelikte:
      - Im Gesetz ausdruecklich normiert
      - z.B. Unterlassene Hilfeleistung (Paragraph 323c StGB)

    Unechte Unterlassungsdelikte (Paragraph 13 StGB):
      - Begehungsdelikt durch Unterlassen
      - Garantenstellung erforderlich!

      Garantenstellungen aus:
        - Gesetz (Eltern fuer Kinder)
        - Vertrag (Babysitter, Bademeister)
        - Ingerenz (vorangegangenes gefaehrdendes Tun)
        - Enger Lebensgemeinschaft
        - Ueberwachung von Gefahrenquellen

BESONDERER TEIL (StGB BT)
=========================

  DELIKTE GEGEN DAS LEBEN
  -----------------------
    Mord (Paragraph 211 StGB):
      - Toetung eines Menschen mit Mordmerkmal
      - Mordmerkmale der 1. Gruppe (Beweggruende)
      - Mordmerkmale der 2. Gruppe (Art der Ausfuehrung)
      - Mordmerkmale der 3. Gruppe (Zweck)
      - Rechtsfolge: Lebenslange Freiheitsstrafe

    Totschlag (Paragraph 212 StGB):
      - Toetung ohne Mordmerkmal
      - Grundtatbestand
      - 5-15 Jahre Freiheitsstrafe (schwerer Fall: lebenslang)

    Fahrlaessige Toetung (Paragraph 222 StGB):
      - Fahrlaessige Verursachung des Todes

  KOERPERVERLETZUNGSDELIKTE (Paragraphen 223 ff. StGB)
  ----------------------------------------------------
    Paragraph 223: Einfache Koerperverletzung
    Paragraph 224: Gefaehrliche Koerperverletzung
      (Waffe, gemeinschaftlich, hinterlistig, lebensgefaehrdend)
    Paragraph 226: Schwere Koerperverletzung (schwere Folgen)
    Paragraph 227: Koerperverletzung mit Todesfolge
    Paragraph 229: Fahrlaessige Koerperverletzung

    Praxisbeispiel:
      Schlag mit Bierflasche = gefaehrliche Koerperverletzung
      mittels gefaehrlichem Werkzeug (Paragraph 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB)

  VERMOEGENSDELIKTE
  -----------------
    Diebstahl (Paragraph 242 StGB):
      - Wegnahme einer fremden beweglichen Sache
      - Absicht rechtswidriger Zueignung

    Betrug (Paragraph 263 StGB):
      - Taeuschung -> Irrtum -> Vermoegensverfeugung -> Schaden
      - Bereicherungsabsicht

    Raub (Paragraph 249 StGB):
      - Diebstahl + Gewalt/Drohung als Noetigungsmittel

    Unterschlagung (Paragraph 246 StGB):
      - Zueignung ohne Wegnahme

    Erpressung (Paragraph 253 StGB):
      - Noetigung zu Vermoegensschaedigung

RECHTSFOLGEN
============

  STRAFEN
  -------
    Hauptstrafen:
      - Geldstrafe (Tagessatzsystem)
      - Freiheitsstrafe (1 Monat bis lebenslang)

    Nebenstrafen:
      - Fahrverbot (Paragraph 44 StGB)

    Nebenfolgen:
      - Verlust der Amtsfaehigkeit
      - Einziehung

  STRAFZUMESSUNG (Paragraph 46 StGB)
  ----------------------------------
    Grundlage: Schuld des Taeters

    Zu beruecksichtigen:
      - Beweggruende und Ziele
      - Gesinnung und Wille
      - Ausmass der Pflichtverletzung
      - Art der Ausfuehrung und Folgen
      - Vorleben, persoenliche Verhaeltnisse
      - Verhalten nach der Tat

  STRAFAUSSETZUNG ZUR BEWAEHRUNG (Paragraphen 56 ff. StGB)
  --------------------------------------------------------
    Voraussetzungen:
      - Freiheitsstrafe nicht ueber 2 Jahre
      - Guenstige Sozialprognose
      - Verteidigung der Rechtsordnung nicht entgegenstehend

    Bewaehrungszeit: 2-5 Jahre
    Auflagen und Weisungen moeglich

  MASSREGELN DER BESSERUNG UND SICHERUNG
  --------------------------------------
    - Unterbringung in psychiatrischem Krankenhaus
    - Unterbringung in Entziehungsanstalt
    - Sicherungsverwahrung
    - Fuehrungsaufsicht
    - Berufsverbot
    - Entziehung der Fahrerlaubnis

STRAFPROZESSRECHT (UEBERBLICK)
==============================
  Ermittlungsverfahren:
    - Staatsanwaltschaft leitet
    - Polizei als Ermittlungsperson

  Zwischenverfahren:
    - Anklageerhebung oder Einstellung
    - Eroeffnungsbeschluss des Gerichts

  Hauptverfahren:
    - Hauptverhandlung
    - Urteil (Freispruch, Verurteilung, Einstellung)

  Rechtsmittel:
    - Berufung (Tatsachen- und Rechtsinstanz)
    - Revision (nur Rechtspruefung)

BACH-INTEGRATION
================
  Partner-Zuweisung:
    - Claude: Deliktsaufbau, Pruefungsschemata erklaeren
    - Gemini: BGH-Rechtsprechung recherchieren
    - Ollama: Vertrauliche Fallanalyse lokal

WICHTIGER HINWEIS
=================
  Dieser Wiki-Eintrag dient ausschliesslich der allgemeinen
  Information und Orientierung. Er ersetzt KEINE Rechtsberatung!

  Bei strafrechtlichen Fragen oder Problemen:
    - Strafverteidiger/Fachanwaelte fuer Strafrecht
    - Oeffentliche Rechtsauskunft
    - Opferhilfeorganisationen (bei Opferperspektive)

SIEHE AUCH
==========
  wiki/jura/zivilrecht/README.txt
  wiki/jura/verfassungsrecht/README.txt
  wiki/jura/stgb/README.txt
