# Portabilitaet: UNIVERSAL
# Zuletzt validiert: 2026-02-05
# Naechste Pruefung: 2027-02-05
# Quellen: HGB, Baumbach/Hopt Kommentar, BGH-Rechtsprechung, MuKoHGB

================================================================================
                              HANDELSRECHT
================================================================================

Stand: 2026-02-05
Status: VOLLSTAENDIGER ARTIKEL

================================================================================
INHALTSVERZEICHNIS
================================================================================
  1. Einfuehrung und Grundlagen
  2. Der Kaufmann
  3. Das Handelsregister
  4. Die Firma
  5. Handelsrechtliche Vollmachten
  6. Handelsgeschaefte - Allgemeine Vorschriften
  7. Der Handelskauf
  8. Das Kommissionsgeschaeft
  9. Das Speditionsgeschaeft
  10. Das Lagergeschaeft
  11. Der Handelsvertreter
  12. Der Handelsmakler
  13. Handelsbuecher und Rechnungslegung
  14. Praxisbeispiele
  15. Wichtige Paragraphen
  16. Siehe auch

================================================================================
1. EINFUEHRUNG UND GRUNDLAGEN
================================================================================

Das Handelsrecht ist das Sonderprivatrecht der Kaufleute. Es modifiziert und
ergaenzt das allgemeine Zivilrecht (BGB) fuer den kaufmaennischen
Geschaeftsverkehr.

RECHTSQUELLEN
-------------
  Primaer:
    - Handelsgesetzbuch (HGB)
    - Ergaenzend: BGB

  Sekundaer:
    - EU-Verordnungen und Richtlinien
    - Handelsbraeuche (§ 346 HGB)
    - Internationale Abkommen (CISG, Incoterms)

VERHAELTNIS ZUM BGB
-------------------
  Das HGB geht als Spezialgesetz dem BGB vor (lex specialis).
  Wo das HGB keine Regelung enthaelt, gilt das BGB.

  Typische Abweichungen:
    - Schnelligkeit des Handelsverkehrs
    - Geringerer Schutz (Kaufleute gelten als geschaeftsgewandt)
    - Strengere Sorgfaltspflichten
    - Formfreiheit

GRUNDPRINZIPIEN
---------------
  - Verkehrsschutz und Rechtssicherheit
  - Schnelligkeit und Leichtigkeit des Handelsverkehrs
  - Vertrauensschutz (Publizitaet des Handelsregisters)
  - Gesteigerte Sorgfaltspflichten

================================================================================
2. DER KAUFMANN (§§ 1-7 HGB)
================================================================================

Kaufmann ist zentraler Begriff des Handelsrechts. Nur auf Kaufleute ist das
HGB anwendbar.

IST-KAUFMANN (§ 1 HGB)
----------------------
  Definition: Wer ein Handelsgewerbe betreibt.

  Handelsgewerbe:
    - Gewerbebetrieb (selbstaendig, planmaessig, auf Dauer, mit
      Gewinnerzielungsabsicht, am Markt)
    - Erforderlich nach Art oder Umfang: kaufmaennisch eingerichteter
      Geschaeftsbetrieb

  Indizien fuer Erforderlichkeit:
    - Umsatz ab ca. 250.000 EUR/Jahr
    - Mehr als 5 Mitarbeiter
    - Vielfalt der Geschaefte
    - Kreditaufnahme
    - Mehrere Betriebsstaetten

  Rechtsfolge: Automatische Kaufmannseigenschaft kraft Gesetzes
  (deklaratorische Eintragung)

KANN-KAUFMANN (§ 2 HGB)
-----------------------
  Kleingewerbetreibender, dessen Gewerbe keinen kaufmaennisch
  eingerichteten Geschaeftsbetrieb erfordert.

  Wahlrecht:
    - Eintragung ins Handelsregister = Kaufmann
    - Keine Eintragung = kein Kaufmann (nur BGB)

  Rechtsfolge: Konstitutive Wirkung der Eintragung

KAUFMANN KRAFT RECHTSFORM (§ 6 HGB - FORMKAUFMANN)
--------------------------------------------------
  Kaufmann kraft Rechtsform, unabhaengig vom Geschaeftsgegenstand:
    - Kapitalgesellschaften (AG, GmbH, KGaA, SE)
    - OHG und KG (Handelsgesellschaften)
    - Genossenschaften (eG)

  NICHT: GbR, Partnerschaftsgesellschaft

LAND- UND FORSTWIRTE (§ 3 HGB)
------------------------------
  Grundsaetzlich keine Kaufleute, aber Eintragungswahlrecht.
  Nach Eintragung: Kann-Kaufmann.

SCHEINKAUFMANN
--------------
  Wer nach aussen als Kaufmann auftritt, ohne es zu sein, muss sich
  gegenueber gutglaeubigen Dritten so behandeln lassen (Rechtsscheinshaftung).

================================================================================
3. DAS HANDELSREGISTER (§§ 8-16 HGB)
================================================================================

Das Handelsregister ist ein oeffentliches Verzeichnis, das ueber die
rechtlichen Verhaeltnisse von Kaufleuten informiert.

ZUSTAENDIGKEIT UND FUEHRUNG
---------------------------
  - Amtsgerichte (Registergerichte)
  - Elektronische Fuehrung seit 2007
  - Abrufbar ueber www.handelsregister.de

  Abteilung A: Einzelkaufleute, Personengesellschaften
  Abteilung B: Kapitalgesellschaften

EINTRAGUNGSPFLICHTIGE TATSACHEN
-------------------------------
  - Firma und Sitz
  - Inhaber / Gesellschafter
  - Vertretungsbefugnisse (Prokura, Geschaeftsfuehrung)
  - Kapital (bei Kapitalgesellschaften)
  - Aenderungen und Erloeschen
  - Insolvenz, Liquidation

PUBLIZITAET DES HANDELSREGISTERS
--------------------------------
  Negative Publizitaet (§ 15 Abs. 1 HGB):
    Solange eine einzutragende Tatsache nicht eingetragen und bekannt
    gemacht ist, kann sie Dritten nicht entgegengehalten werden, es sei
    denn, der Dritte kannte sie.

    Beispiel: Erlöschen der Prokura nicht eingetragen - Prokurist kann
    weiterhin wirksam vertreten gegenueber Gutglaeubigen.

  Positive Publizitaet (§ 15 Abs. 3 HGB):
    Ist eine Tatsache unrichtig bekannt gemacht, kann sich ein Dritter
    auf die Bekanntmachung berufen, es sei denn, er kannte die
    Unrichtigkeit.

    Beispiel: Falscher Geschaeftsfuehrer eingetragen - Gutglaeubiger
    kann sich darauf verlassen.

ANMELDUNG
---------
  - In oeffentlich beglaubigter Form (§ 12 HGB)
  - Elektronisch beim Registergericht
  - Pruefung durch Rechtspfleger
  - Zwangsgeld bei Verstoessen (§ 14 HGB)

================================================================================
4. DIE FIRMA (§§ 17-37a HGB)
================================================================================

DEFINITION (§ 17 HGB)
---------------------
  Die Firma ist der Name, unter dem der Kaufmann seine Geschaefte betreibt
  und die Unterschrift abgibt.

  Nicht zu verwechseln mit:
    - Buergerlichem Namen
    - Unternehmensbezeichnung
    - Marke

FIRMENARTEN
-----------
  Personenfirma: Abgeleitet vom Namen des Inhabers
    Beispiel: "Mueller e.K."

  Sachfirma: Bezug auf Geschaeftsgegenstand
    Beispiel: "Berliner Druckerei GmbH"

  Fantasiefirma: Frei gebildet
    Beispiel: "Zephyr Solutions AG"

  Gemischte Firma: Kombination
    Beispiel: "Mueller IT-Services e.K."

FIRMENGRUNDSAETZE
-----------------
  Firmenwahrheit (§ 18 HGB):
    Firma darf nicht irrefuehren (Taetigkeitsbereich, Groesse,
    Rechtsverhaeltnisse).

  Firmenklarheit:
    Firma muss Kennzeichnungskraft haben und unterscheidbar sein.

  Firmenausschliesslichkeit (§ 30 HGB):
    Am gleichen Ort keine identische oder verwechslungsfaehige Firma.

  Firmenbestaendigkeit:
    - Fortfuehrung bei Inhaberwechsel moeglich (§ 22 HGB)
    - Bei Gesellschafterwechsel (§ 24 HGB)
    - Einwilligung des bisherigen Inhabers erforderlich

RECHTSFORMZUSATZ
----------------
  - Einzelkaufmann: "e.K.", "e.Kfm.", "e.Kfr." (§ 19 HGB)
  - OHG: "offene Handelsgesellschaft" oder "OHG" (§ 19 HGB)
  - KG: "Kommanditgesellschaft" oder "KG" (§ 19 HGB)
  - GmbH: "Gesellschaft mit beschraenkter Haftung" oder "GmbH" (§ 4 GmbHG)
  - AG: "Aktiengesellschaft" oder "AG" (§ 4 AktG)

================================================================================
5. HANDELSRECHTLICHE VOLLMACHTEN
================================================================================

PROKURA (§§ 48-53 HGB)
----------------------
  Definition:
    Umfassendste handelsrechtliche Vollmacht mit gesetzlich festgelegtem
    Umfang.

  Erteilung:
    - Nur durch Inhaber/organschaftliche Vertreter
    - Ausdruecklich (§ 48 Abs. 1)
    - Eintragung ins Handelsregister (deklaratorisch)

  Umfang (§ 49 HGB):
    Alle Geschaefte und Rechtshandlungen, die der Betrieb eines
    Handelsgewerbes mit sich bringt - auch ungewoehnliche!

  Beschraenkungen:
    - Gesetzlich: Kein Verkauf/Belastung von Grundstuecken (§ 49 Abs. 2)
    - Kein Abschluss anderer Grundgeschaefte
    - Interne Beschraenkungen wirken nicht gegenueber Dritten (§ 50 Abs. 1)

  Gesamtprokura (§ 48 Abs. 2):
    Mehrere Prokuristen nur gemeinsam vertretungsberechtigt.

  Filialprokura (§ 50 Abs. 3):
    Beschraenkt auf eine Zweigniederlassung.

  Erlöschen:
    - Widerruf jederzeit moeglich (§ 52)
    - Tod des Inhabers
    - NICHT: Tod des Prokuristen, Erwerb des Geschaefts

HANDLUNGSVOLLMACHT (§§ 54-58 HGB)
---------------------------------
  Definition:
    Vollmacht zum Betrieb eines Handelsgewerbes oder zu bestimmten
    Geschaeften.

  Arten:
    Generalhandlungsvollmacht: Alle gewoehnlichen Geschaefte
    Arthandlungsvollmacht: Bestimmte Art von Geschaeften
    Spezialhandlungsvollmacht: Einzelne Geschaefte

  Umfang (§ 54 HGB):
    Nur gewoehnliche Geschaefte (Unterschied zur Prokura!)

  Beschraenkungen:
    Wirken nur bei Kenntnis oder Kennenmüssen des Dritten.

  Keine Eintragung ins Handelsregister.

LADENANGESTELLTE (§ 56 HGB)
---------------------------
  Vermutete Vollmacht fuer Verkaufs- und Empfangsgeschaefte in Laden
  oder offenem Warenlager.

  Achtung: Gilt auch ohne tatsaechliche Vollmachtserteilung!

================================================================================
6. HANDELSGESCHAEFTE - ALLGEMEINE VORSCHRIFTEN (§§ 343-372 HGB)
================================================================================

HANDELSGESCHAEFT (§ 343 HGB)
----------------------------
  Definition: Alle Geschaefte eines Kaufmanns, die zum Betrieb seines
  Handelsgewerbes gehoeren.

  Vermutung (§ 344 HGB):
    Geschaefte eines Kaufmanns gelten im Zweifel als zum
    Handelsgewerbe gehoerig.

  Einseitige Handelsgeschaefte (§ 345 HGB):
    HGB-Vorschriften gelten auch, wenn nur eine Partei Kaufmann ist.

BESONDERHEITEN
--------------
  Schweigen auf Antrag (§ 362 HGB):
    Kaufmann, dessen Gewerbe Besorgung von Geschaeften fuer andere
    umfasst, muss unverzueglich antworten. Schweigen gilt als Annahme!

  Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns (§ 347 HGB):
    Hoeherer Sorgfaltsmassstab als im BGB.

  Kontokorrent (§ 355-357 HGB):
    Verrechnung von Forderungen und Leistungen mit periodischem Saldo.

  Gesetzlicher Zinssatz (§ 352 HGB):
    5% bei Handelsgeschaeften (BGB: 4%).

  Formfreiheit:
    Viele BGB-Formvorschriften gelten nicht unter Kaufleuten
    (z.B. Buergschaft, § 350 HGB).

GUTGLAUBENSSCHUTZ (§ 366 HGB)
-----------------------------
  Gutglaeubiger Erwerb vom Nichtberechtigten moeglich, wenn Kaufmann
  im Betrieb seines Handelsgewerbes veraeussert.

================================================================================
7. DER HANDELSKAUF (§§ 373-382 HGB)
================================================================================

ANWENDUNGSBEREICH
-----------------
  Kaufvertrag, bei dem mindestens ein Vertragspartner Kaufmann ist und
  das Geschaeft zum Betrieb seines Handelsgewerbes gehoert.

UNTERSUCHUNGS- UND RUEGEPFLICHT (§ 377 HGB)
-------------------------------------------
  Zentrale Vorschrift des Handelskaufs!

  Pflichten des Kaeufers:
    1. Unverzuegliche Untersuchung nach Ablieferung
    2. Unverzuegliche Anzeige erkennbarer Maengel
    3. Anzeige versteckter Maengel unverzueglich nach Entdeckung

  "Unverzueglich":
    - Ohne schuldhaftes Zoegern
    - Untersuchung: Innerhalb weniger Tage
    - Ruege: Innerhalb von 1-2 Tagen

  Rechtsfolge bei Verstreichen:
    Ware gilt als genehmigt - ALLE Maengelansprueche ausgeschlossen!

  Ausnahme:
    Arglistig verschwiegene Maengel (§ 377 Abs. 5)

FIXGESCHAEFT (§ 376 HGB)
------------------------
  Bei Fixgeschaeft (Leistung zu bestimmter Zeit oder in bestimmter Frist):
  - Ruecktritt bei Fristversaeumnis ohne Nachfristsetzung
  - Schadensersatz statt der Leistung
  - Alternative: Sofortige Erklarerung, auf Erfuellung zu bestehen

ANNAHMEVERZUG (§ 373-374 HGB)
-----------------------------
  Bei Annahmeverzug des Kaeufers:
    - Hinterlegung (§ 373)
    - Selbsthilfeverkauf nach Androhung (§ 373)
    - Notverkauf bei verderblicher Ware (§ 373)

SPEZIFIKATIONSKAUF (§ 375 HGB)
------------------------------
  Kaeufer muss Ware nach Sorte, Masse etc. spezifizieren.
  Bei Verzoegerung: Verkaeufer kann selbst spezifizieren oder zuruecktreten.

================================================================================
8. DAS KOMMISSIONSGESCHAEFT (§§ 383-406 HGB)
================================================================================

DEFINITION (§ 383 HGB)
----------------------
  Kommissionaer: Gewerbsmaessig Kauf oder Verkauf von Waren oder
  Wertpapieren im eigenen Namen fuer Rechnung eines anderen (Kommittent).

  Charakteristik:
    - Handeln im eigenen Namen (Unterschied zum Handelsvertreter!)
    - Handeln fuer fremde Rechnung
    - Gewerbsmaessig

PFLICHTEN DES KOMMISSIONAERS
----------------------------
  - Ausfuehrung mit Sorgfalt des ordentlichen Kaufmanns (§ 384)
  - Befolgung der Weisungen
  - Benachrichtigungspflichten
  - Ablieferung des Erlangten
  - Rechenschaftspflicht

RECHTE DES KOMMISSIONAERS
-------------------------
  - Provision (§ 396)
  - Aufwendungsersatz
  - Pfandrecht (§ 397)
  - Selbsteintrittsrecht (§ 400): Kommissionaer wird selbst Verkaeufer/Kaeufer

VERHAELTNIS ZU DRITTEN
----------------------
  Kommissionaer wird selbst Vertragspartner des Dritten.
  Kommittent hat kein direktes Forderungsrecht gegen Dritten.

================================================================================
9. DAS SPEDITIONSGESCHAEFT (§§ 453-466 HGB)
================================================================================

DEFINITION (§ 453 HGB)
----------------------
  Spediteur: Gewerbsmaessige Besorgung der Versendung von Guetern.

  Taetigkeiten:
    - Auswahl und Beauftragung von Frachtfuehrern
    - Organisation des Transports
    - Nicht: Eigener Transport (das waere Frachtgeschaeft)

PFLICHTEN
---------
  - Sorgfaeltige Auswahl des Frachtfuehrers
  - Interessenwahrung des Versenders
  - Versicherung (wenn angewiesen)
  - Lagerung (wenn erforderlich)

HAFTUNG (§ 461 HGB)
-------------------
  - Verschuldenshaftung fuer eigenes Handeln
  - Bei Selbsteintritt: Frachtfuehrerhaftung (§ 459)

SPEDITEURUEBERNAHMESCHEIN
-------------------------
  Dokument ueber uebernommene Gueter (§ 460 HGB).

================================================================================
10. DAS LAGERGESCHAEFT (§§ 467-475h HGB)
================================================================================

DEFINITION (§ 467 HGB)
----------------------
  Lagerhalter: Gewerbsmaessige Einlagerung und Aufbewahrung von Guetern.

PFLICHTEN
---------
  - Aufbewahrung mit Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns
  - Anzeigepflicht bei Veraenderungen
  - Versicherung (wenn ueblich oder angewiesen)
  - Herausgabe auf Verlangen

LAGERSCHEIN (§ 475c HGB)
------------------------
  Wertpapier, das Anspruch auf Herausgabe verbrieft.
  Kann auf Namen oder Order lauten.
  Ermoeglicht Übertragung der Waren durch Übergabe des Scheins.

HAFTUNG (§ 475 HGB)
-------------------
  Verschuldenshaftung mit Beweislastumkehr.
  Haftungshoechstgrenzen (§ 475a).

================================================================================
11. DER HANDELSVERTRETER (§§ 84-92c HGB)
================================================================================

DEFINITION (§ 84 HGB)
---------------------
  Selbstaendiger Gewerbetreibender, der staendig damit betraut ist:
    - Geschaefte fuer einen anderen Unternehmer zu vermitteln, oder
    - Geschaefte in dessen Namen abzuschliessen

  Abgrenzung:
    - Handlungsgehilfe: Unselbstaendig (Arbeitsverhaeltnis)
    - Kommissionaer: Eigener Name
    - Makler: Nicht staendig betraut

PFLICHTEN DES HANDELSVERTRETERS
-------------------------------
  - Interessenwahrung (§ 86)
  - Bemuehenspflicht um Geschaeftsabschluesse
  - Sorgfaeltige Ausfuehrung
  - Benachrichtigungspflichten
  - Wettbewerbsverbot (waehrend Vertragszeit)

PFLICHTEN DES UNTERNEHMERS
--------------------------
  - Provision (§ 87)
  - Unterstuetzung mit Unterlagen
  - Information ueber Annahme/Ablehnung von Geschaeften
  - Abrechnung

PROVISION (§§ 87-87d HGB)
-------------------------
  Anspruch entsteht:
    - Bei waehrend Vertragszeit vermittelten Geschaeften
    - Bei Geschaeften mit vom HV geworbenen Kunden (Bezirksprovision)
    - Auch nach Vertragsende fuer vorbereitete Geschaefte

  Faelligkeit: Mit Ausfuehrung des Geschaefts durch Unternehmer

  Hoehe: Vereinbarung, sonst uebliche Provision (§ 87b)

AUSGLEICHSANSPRUCH (§ 89b HGB)
------------------------------
  Bei Vertragsbeendigung:
    - Unternehmer hat erhebliche Vorteile aus neuen Kunden
    - Handelsvertreter verliert Provisionsansprueche
    - Der Billigkeit entsprechend

  Hoechstbetrag: Durchschnitt der letzten 5 Jahre (§ 89b Abs. 2)

  Ausschluss:
    - Kuendigung durch HV (ausser wichtiger Grund)
    - Kuendigung wegen Pflichtverletzung des HV

NACHVERTRAGLICHES WETTBEWERBSVERBOT (§ 90a HGB)
-----------------------------------------------
  - Schriftform erforderlich
  - Maximal 2 Jahre
  - Karenzentschaedigung: Mindestens 50% der durchschnittlichen Provision
  - Unternehmer kann auf Verbot verzichten (dann keine Entschaedigung)

================================================================================
12. DER HANDELSMAKLER (§§ 93-104 HGB)
================================================================================

DEFINITION (§ 93 HGB)
---------------------
  Gewerbsmaessige Vermittlung von Vertraegen ueber:
    - Waren
    - Wertpapiere
    - Versicherungen
    - Gueterbefoerderung
    - Schiffsmiete/Bodmerei

  Ohne staendige Betrauung (Unterschied zum Handelsvertreter!).

PFLICHTEN
---------
  - Neutralitaetspflicht gegenueber beiden Parteien
  - Tagebuch ueber Geschaefte (§ 100)
  - Schlussnote (§ 94) - Dokumentation des vermittelten Geschaefts

MAKLERLOHN (§ 99 HGB)
---------------------
  - Von beiden Parteien je zur Haelfte (mangels anderer Vereinbarung)
  - Faelligkeit mit Abschluss des Geschaefts

================================================================================
13. HANDELSBUECHER UND RECHNUNGSLEGUNG (§§ 238-263 HGB)
================================================================================

BUCHFUEHRUNGSPFLICHT (§ 238 HGB)
--------------------------------
  Jeder Kaufmann ist verpflichtet, Buecher zu fuehren und seine
  Handelsgeschaefte ersichtlich zu machen.

  Anforderungen:
    - Grundsaetze ordnungsmaessiger Buchfuehrung (GoB)
    - Lebende Sprache, Kontoform
    - Aufbewahrung 10 Jahre (§ 257)

JAHRESABSCHLUSS (§ 242 HGB)
---------------------------
  Besteht aus:
    - Bilanz (Vermoegen und Schulden)
    - Gewinn- und Verlustrechnung
    - Bei Kapitalgesellschaften: Anhang und ggf. Lagebericht

GROESSENKLASSEN (§ 267 HGB)
---------------------------
  Klein: Bilanzsumme bis 6 Mio, Umsatz bis 12 Mio, bis 50 MA
  Mittel: Bilanzsumme bis 20 Mio, Umsatz bis 40 Mio, bis 250 MA
  Gross: Ueber diesen Werten

  Unterschiedliche Offenlegungspflichten je nach Groesse.

================================================================================
14. PRAXISBEISPIELE
================================================================================

BEISPIEL 1: RUEGEOBLIEGENHEIT
-----------------------------
  Situation: Grosshaendler liefert 1000 Stuehle an Moebelhaus.
  Bei Lieferung werden keine offensichtlichen Maengel bemerkt.
  Nach 3 Wochen: Holz zeigt Risse.

  Rechtslage:
    - § 377 HGB anwendbar (beidseitiger Handelskauf)
    - Untersuchung bei Lieferung: Offensichtliche Maengel gerügt? Ja.
    - Versteckter Mangel nach 3 Wochen entdeckt
    - Unverzuegliche Ruege erforderlich (1-2 Tage)
    - Bei rechtzeitiger Ruege: Maengelansprueche erhalten

BEISPIEL 2: PROKURA UND GRUNDSTUECK
-----------------------------------
  Situation: Prokurist unterschreibt Kaufvertrag ueber Firmengrundsueck.

  Rechtslage:
    - § 49 Abs. 2 HGB: Kein Verkauf/Belastung von Grundstuecken
    - Vertrag schwebend unwirksam
    - Genehmigung durch Inhaber moeglich (§ 177 BGB)
    - Ohne Genehmigung: Vertrag unwirksam

BEISPIEL 3: AUSGLEICHSANSPRUCH HANDELSVERTRETER
-----------------------------------------------
  Situation: Handelsvertreter wird nach 10 Jahren gekuendigt.
  Hat 500 Neukunden geworben. Durchschnittsprovision: 50.000 EUR/Jahr.

  Rechtslage:
    - § 89b HGB: Ausgleichsanspruch
    - Erhebliche Vorteile fuer Unternehmer durch Neukunden
    - Verlust kuenftiger Provisionen
    - Hoechstbetrag: 5 x 50.000 = 250.000 EUR
    - Konkrete Berechnung nach Billigkeit

================================================================================
15. WICHTIGE PARAGRAPHEN
================================================================================

HGB - ERSTER BUCH (HANDELSSTAND)
--------------------------------
  §§ 1-7    - Kaufmann
  §§ 8-16   - Handelsregister
  §§ 17-37a - Firma
  §§ 48-58  - Prokura und Handlungsvollmacht

HGB - DRITTES BUCH (HANDELSGESCHAEFTE)
--------------------------------------
  §§ 343-372 - Allgemeine Vorschriften
  §§ 373-382 - Handelskauf
  §§ 383-406 - Kommissionsgeschaeft
  §§ 407-452 - Frachtgeschaeft
  §§ 453-466 - Speditionsgeschaeft
  §§ 467-475h - Lagergeschaeft

HGB - VIERTES BUCH
------------------
  §§ 84-92c  - Handelsvertreter
  §§ 93-104  - Handelsmakler

HGB - RECHNUNGSLEGUNG
---------------------
  §§ 238-263 - Vorschriften fuer alle Kaufleute
  §§ 264-335c - Ergaenzende Vorschriften Kapitalgesellschaften

================================================================================
WICHTIGER HINWEIS
================================================================================

  Dieser Artikel dient ausschliesslich der allgemeinen Information und
  Orientierung. Er stellt KEINE Rechtsberatung dar und kann eine solche
  nicht ersetzen. Bei konkreten handelsrechtlichen Fragen wenden Sie
  sich bitte an einen spezialisierten Rechtsanwalt oder Steuerberater.

================================================================================
SIEHE AUCH
================================================================================
  wiki/jura/vertragsrecht/
  wiki/jura/gesellschaftsrecht/
  wiki/jura/insolvenzrecht/
  wiki/bwl/buchfuehrung/
  wiki/bwl/unternehmensrecht/

================================================================================
