# Portabilitaet: UNIVERSAL
# Zuletzt validiert: 2026-02-05 (Claude/BACH wiki-author)
# Naechste Pruefung: 2027-02-05
# Quellen: [Horvath Controlling, Weber/Schaeffer Controlling-Lehrbuch]

CONTROLLING
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Stand: 2026-02-05

WAS IST CONTROLLING?
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Controlling ist die betriebswirtschaftliche Funktion der Planung,
Steuerung und Kontrolle von Unternehmensprozessen. Der Controller
unterstuetzt die Fuehrung mit entscheidungsrelevanten Informationen.

  Kernaufgaben
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  - Planung: Ziele setzen, Budgets erstellen
  - Information: Daten aufbereiten, berichten
  - Analyse: Abweichungen erklaeren
  - Steuerung: Korrekturmassnahmen empfehlen

  Controlling ist NICHT Kontrolle!
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  Kontrolle = Pruefung im Nachhinein (rueckwaertsgerichtet)
  Controlling = Steuerung und Unterstuetzung (zukunftsgerichtet)

  Der Controller als Navigator
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  - Liefert Informationen fuer Entscheidungen
  - Entwickelt Planungs- und Kontrollsysteme
  - Ist betriebswirtschaftliches Gewissen
  - Trifft keine Entscheidungen (das macht die Fuehrung)

STRATEGISCHES VS. OPERATIVES CONTROLLING
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  Strategisches Controlling
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  Fokus: Langfristige Existenzsicherung

  Fragen:
  - Tun wir die richtigen Dinge? (Effektivitaet)
  - Welche Maerkte, welche Produkte?
  - Wo liegen Chancen und Risiken?

  Instrumente:
  - SWOT-Analyse (Staerken, Schwaechen, Chancen, Risiken)
  - Portfolio-Analyse (BCG-Matrix)
  - Balanced Scorecard
  - Benchmarking
  - Szenario-Analyse

  Zeithorizont: 3-5+ Jahre

  Operatives Controlling
  ----------------------
  Fokus: Kurzfristige Gewinnerzielung

  Fragen:
  - Tun wir die Dinge richtig? (Effizienz)
  - Wie entwickeln sich Kosten und Erloese?
  - Wo sind Abweichungen vom Plan?

  Instrumente:
  - Budgetierung
  - Soll-Ist-Vergleich
  - Abweichungsanalyse
  - Kostenrechnung
  - Deckungsbeitragsrechnung

  Zeithorizont: 1 Jahr (Monat, Quartal)

BUDGETIERUNG
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  Definition
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  Budgets sind wertmaessige, meist jaehrliche Planvorgaben
  fuer einzelne Bereiche oder das Gesamtunternehmen.

  Budgetierungsprozess
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  1. Zielvorgaben der Geschaeftsleitung (Top-Down)
  2. Teilplaene der Bereiche (Bottom-Up)
  3. Abstimmung und Konsolidierung
  4. Genehmigung
  5. Unterjährige Kontrolle

  Budgetarten
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  - Umsatzbudget
  - Kostenbudget
  - Investitionsbudget
  - Personalbudget
  - Liquiditaetsbudget

  Moderne Ansaetze
  ----------------

  Beyond Budgeting
    - Flexible Ziele statt starre Budgets
    - Relative Ziele (besser als Wettbewerb)
    - Rolling Forecasts

  Zero-Base-Budgeting
    - Jede Position wird neu begruendet
    - Nicht vom Vorjahr fortgeschrieben
    - Aufwaendig, aber hinterfragt alles

  Rolling Forecast
    - Fortlaufend aktualisierte Prognose
    - Immer z.B. 18 Monate voraus
    - Flexibler als Jahresbudget

KENNZAHLENSYSTEME
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  Wozu Kennzahlen?
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  - Komplexitaet reduzieren
  - Vergleichbarkeit herstellen
  - Fruehwarnung ermoeglichen
  - Ziele operationalisieren

  Arten von Kennzahlen
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  Absolute Kennzahlen
    - Einzelwerte: Umsatz, Gewinn, Mitarbeiterzahl
    - Summen: Bilanzsumme
    - Differenzen: Deckungsbeitrag

  Verhaeltniskennzahlen
    - Gliederungszahlen: Eigenkapitalquote
    - Beziehungszahlen: Umsatz pro Mitarbeiter
    - Indexzahlen: Preisindex

  Wichtige Kennzahlen
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  Rentabilitaet
    Eigenkapitalrendite (ROE) = Gewinn / Eigenkapital
    Gesamtkapitalrendite (ROI) = Gewinn / Gesamtkapital
    Umsatzrendite = Gewinn / Umsatz

  Liquiditaet
    Liquiditaet 1./2./3. Grades
    Cash Ratio, Quick Ratio, Current Ratio

  Produktivitaet
    Arbeitsproduktivitaet = Output / Arbeitsstunden
    Maschinenproduktivitaet = Output / Maschinenstunden

  Wirtschaftlichkeit
    = Ertrag / Aufwand (sollte > 1 sein)

  DuPont-Kennzahlensystem
  -----------------------
  Hierarchisches System mit ROI als Spitzenkennzahl:

    ROI = Umsatzrendite x Kapitalumschlag
        = (Gewinn/Umsatz) x (Umsatz/Kapital)

  Zerlegung zeigt Hebel zur Verbesserung:
  - Kosten senken -> Umsatzrendite steigt
  - Kapital effizienter nutzen -> Umschlag steigt

  Balanced Scorecard (BSC)
  ------------------------
  Kaplan/Norton (1992): Mehrdimensionales Kennzahlensystem

  4 Perspektiven:
  +----------------------+  +----------------------+
  |    FINANZEN          |  |    KUNDEN            |
  | Rendite, Wachstum    |  | Zufriedenheit, Anteil|
  +----------------------+  +----------------------+
           |                         |
           +----------+--------------+
                      |
  +----------------------+  +----------------------+
  |  INTERNE PROZESSE    |  |  LERNEN & ENTWICKLUNG|
  | Qualitaet, Effizienz |  | MA-Zufriedenheit, IT |
  +----------------------+  +----------------------+

  Vorteile:
  - Nicht nur Finanzkennzahlen
  - Ursache-Wirkungs-Ketten
  - Strategie wird messbar

KOSTENRECHNUNG
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  Aufgaben
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  - Kosten erfassen und verrechnen
  - Kalkulation (Was kostet ein Produkt?)
  - Kontrolle (Wo sind wir zu teuer?)
  - Entscheidungsunterstuetzung (Make or Buy?)

  Grundbegriffe
  -------------

  Kosten: Bewerteter Gueterverbrauch fuer betrieblichen Zweck
  Aufwand: Wertminderung laut GuV (kann abweichen)

  Kostenarten: WAS wurde verbraucht?
    - Materialkosten
    - Personalkosten
    - Abschreibungen
    - Fremdleistungen

  Kostenstellen: WO ist es angefallen?
    - Fertigung
    - Verwaltung
    - Vertrieb
    - Hilfskostenstellen

  Kostentraeger: WOFUER wurde es verbraucht?
    - Produkte
    - Auftraege
    - Projekte

  Kostenrechnungssysteme
  ----------------------

  Nach Zeitbezug:
    Ist-Kostenrechnung  - Was hat es gekostet?
    Normal-Kostenrechnung - Durchschnitt vergangener Perioden
    Plan-Kostenrechnung - Was soll es kosten?

  Nach Umfang:
    Vollkostenrechnung - Alle Kosten auf Produkte
    Teilkostenrechnung - Nur variable Kosten auf Produkte

DECKUNGSBEITRAGSRECHNUNG
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  Grundprinzip
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  Nur variable Kosten werden auf Produkte verrechnet.
  Fixkosten werden EN BLOC gedeckt.

  Deckungsbeitrag (DB) = Erloes - Variable Kosten

  Stufenweise Fixkostendeckung
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    Umsatz
  - Variable Kosten
  = Deckungsbeitrag I (produktbezogen)
  - Produktfixkosten
  = Deckungsbeitrag II (produktgruppenbezogen)
  - Bereichsfixkosten
  = Deckungsbeitrag III (unternehmensbezogen)
  - Unternehmensfixkosten
  = Betriebsergebnis

  Anwendungen
  -----------
  - Preisuntergrenzen (kurzfristig: > variable Kosten)
  - Programmplanung (Welche Produkte foerdern?)
  - Make-or-Buy-Entscheidungen
  - Engpassoptimierung

BREAK-EVEN-ANALYSE
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  Definition
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  Der Break-Even-Point (BEP) ist die Absatzmenge,
  bei der Erloes = Gesamtkosten (Gewinn = 0).

  Berechnung
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    BEP (Menge) = Fixkosten / Deckungsbeitrag pro Stueck

  Beispiel:
    Fixkosten: 100.000 EUR
    Verkaufspreis: 50 EUR
    Variable Kosten: 30 EUR
    Deckungsbeitrag: 20 EUR

    BEP = 100.000 / 20 = 5.000 Stueck

  Grafische Darstellung
  ---------------------

    EUR
     ^
     |        /Erloes
     |       /
     |      /______ Gesamtkosten
     |     /  /
     |    / /
     |   /X<- Break-Even-Point
     |  //
     | //_____Fixkosten
     |/
     +-------------------------> Menge
            BEP

  Sicherheitsspanne
  -----------------
  = (Ist-Absatz - BEP-Absatz) / Ist-Absatz * 100

  Wie weit darf der Absatz sinken, bevor Verlust entsteht?

ABWEICHUNGSANALYSE
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  Grundprinzip
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  Vergleich von Soll (Plan) und Ist (Realitaet).
  Abweichungen werden analysiert und erklaert.

  Abweichungsarten
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  Preisabweichung
    = (Ist-Preis - Plan-Preis) x Ist-Menge
    Ursache: Preisaenderungen am Markt

  Mengenabweichung
    = (Ist-Menge - Plan-Menge) x Plan-Preis
    Ursache: Verbrauchsaenderungen

  Beschaeftigungsabweichung
    Abweichung durch geaenderte Auslastung

  Vorgehen
  --------
  1. Abweichung feststellen
  2. Abweichung in Teilabweichungen zerlegen
  3. Ursachen analysieren
  4. Verantwortliche identifizieren
  5. Massnahmen einleiten

  Toleranzgrenzen
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  Nicht jede Abweichung erfordert Massnahmen.
  Typisch: +/- 5% oder absolute Betraege.

BERICHTSWESEN (REPORTING)
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  Aufgaben
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  - Informationen verdichten
  - Empfaenger gerecht aufbereiten
  - Regelmaessig und zuverlaessig liefern
  - Handlungsbedarf aufzeigen

  Berichtstypen
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  - Standardberichte (regelmaessig, vordefiniert)
  - Abweichungsberichte (bei Ueberschreitung)
  - Bedarfsberichte (auf Anfrage)

  Berichtsfrequenz
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  - Taeglich: Umsatz, Liquiditaet
  - Woechentlich: Produktion, Auftraege
  - Monatlich: GuV, Kostenstellenbericht
  - Quartalsweise: Management-Report
  - Jaehrlich: Jahresabschluss

  Gestaltungsprinzipien
  ---------------------
  - Empfaengerorientiert (Was braucht wer?)
  - Uebersichtlich (Grafiken, Ampeln)
  - Aussagekraeftig (Vergleiche, Trends)
  - Zeitnah (nicht zu spaet)
  - Konsistent (gleiche Definitionen)

BACH-INTEGRATION
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  Haushalt-Handler
  - Budget-Tracking
  - Ausgabenanalyse
  - Soll-Ist-Vergleich

  Dashboard (GUI)
  - Kennzahlen-Uebersicht
  - Grafische Auswertungen
  - Trend-Analysen

  Token-Monitoring
  - Kostencontrolling fuer KI-Nutzung
  - Budget-Warnungen
  - Verbrauchsberichte

  Memory-Lessons
  - Best Practices dokumentieren
  - Fehler nicht wiederholen

SIEHE AUCH
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  wiki/bwl/buchfuehrung.txt      Buchfuehrung als Datenbasis
  wiki/bwl/finanzwirtschaft.txt  Finanzielle Steuerung
  wiki/unternehmertum/           Gruender-Controlling
  wiki/management/               Management und Fuehrung
